Die Steinpalme

Die Steinpalme – Eine Geschichte über das Annehmen und die Verwandlung

In der Sahara brach der Spätnachmittag herein. Es war ein leiser Wind aufgekommen, der über die Haare strich und auf dem Gesicht eine Ahnung von Kühle hinterließ.

Es war die Zeit, die zum Erzählen verführt, und alle baten den weisen Raman, doch eine seiner wundervollen Geschichten zu erzählen.

Der kluge, alte Mann lächelte. Er überlegte einen Augenblick und rief dann: „Wir treffen uns an der Steinpalme, wenn die Feuer angezündet werden.!“ „Steinpalme? Was bedeutet das?“ riefen sie hinter dem Alten her.

„Sucht sie!“ Er sagte dies schon im Fortgehen. „Sucht sie! Der Baum ist nicht zu verfehlen.“

Noch ehe die Nacht plötzlich hereinfiel, hatten sie den Baum gefunden.

Neben den vielen Palmen am Strand, die in ihrer schlanken Schönheit wie winkende Frauen zu sein schienen, stand diese eine etwas abseits, doch so, dass ihre starken, dunkelgrünen Blattfächer die neben ihr stehenden Bäume leicht berührten

Es war eine eigenartig geformte Palme! Sie wirkte gedrungen, mit einem mächtigen Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigung zeigten und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte.

Das Merkwürdigste aber war die Krone der Palme! Der Baum neigte sich mit seinen Blattfächern zur Mitte hin.

„Seht nur genau hin“, sagte der alte Erzähler, der sich in ihre Mitte gesetzt hatte, „achtet auf das nächste Wehen des Windes.“

Und sie konnten es sehen!

Als der Wind die Fächer des Baumes etwas auseinanderwehte, da sahen sie es: Im Herzen der Palme, wo sonst die neuen, hellgrünen Triebe aus der Mitte des Stammes nach oben drängten, lag ein mächtiger, rötlicher Stein, wie unzählige am Strand herumlagen.

Raman ließ keine Zeit zum Fragen. Mit einer weiten Armbewegung zeigte er, daß sich alle im Kreis setzen sollten. Ein Feuer wurde in der Mitte angezündet, und die Nacht kam schnell und fiel über alles  wie ein dunkles Tuch.

Der Schein des Feuers erreichte den Stamm der großen Palme und malte auf den Schuppen bizarre Zeichen. Wenn eine Flamme hell aufflackerte, konnte man die Krone des mächtigen Baumes ahnen.

„Ihr wollt wissen, wie der große Stein dort oben hinaufgekommen ist?“ begann Raman seine Erzählung. „Nun, dies geschah vor vielen, vielen Jahren, als diese mächtige Palme noch ein winziger Bäumling war. Hier waren damals noch keine Häuser, und es gab auch noch keinen Brunnen. Nur einige Palmen standen am Strand. Ihnen und dem kleinen Palmbaum genügte das, was sie aus dem Sandboden an Nahrung und vom Himmel an Feuchtigkeit bekamen.

Die kleine Palme liebte das Meer und die Musik des Wassers. Sie liebte den leisen Wind an den Spätnachmittagen und die plötzlich hereinbrechende, oft kalte Nacht mit ihrer schattenlosen Dunkelheit. Und sie liebte den Mond in den klaren Nächten, dessen Licht harte Umrisse malt und auf dem Meer lange Streifen zieht, die eine Ahnung von Unendlichkeit geben.

Der kleine Baum wusste, dass wenige Meter hinter ihm die Wüste war. Aber er hatte keine Vorstellung von ihr, er wusste nicht, was wasserlos und leer bedeutete. Er war ein kräftiger, glücklicher Palmenschössling.

Bis zu dem Tag, an dem der Mann kam!

Er kam durch die Wüste. Er war tagelang umhergeirrt, hatte sein Hab und Gut verloren und war vor Durst und Hitze fast um den Verstand gekommen. Seine Hände brannten wund vom vergeblichen Graben nach Wasser, und alles an ihm und in ihm war grenzenloser Schmerz. So stand er vor dem Wasser, vor dem endlosen, salzigen Wasser.

Der Mann warf seinen ausgedörrten Körper in das Wasser hinein, aber in seinem Mund mit den aufgerissenen Lippen und der dickpelzigen Zunge brannte der Durst, den das Salzwasser nicht stillen konnte. Da packte ihn ein rasender Zorn. „Ich habe Anspruch auf Wasser!“ schrie er. „Ich will leben, weil ich einen Anspruch darauf habe!“

Er griff nach einem großen Stein. Der Zorn gab ihm Kräfte, die sein ausgedörrter Körper kaum noch hergeben konnte, und er schrie, schrie über die Grenzenlosigkeit des Wassers, schrie gegen die Unauslöschbarkeit der Sonne, schrie gegen die Wüste und hinauf zu den unerreichbaren Kronen der Palmen. Drohend hatte er den Stein erhoben. Seine Arme zitterten, und es schien, als wolle alle Kraft ihn endgültig verlassen. Da sah er neben den großen Palmen, zwischen Geröll und Sand, den Palmenschössling stehen, in hellem Grün und voller Hoffnung auf jeden neuen Tag.

„Warum lebst du?“ schrie der Mann. „Warum findest du Nahrung und Wasser, und ich verdurste hier? Warum bist du jung und schön? Warum hast du alles und ich nichts? Du sollst nicht leben!“

Mit aller noch vorhandenen Kraft presste er den Stein mitten in das Kronenherz des jungen Baumes. Es knirschte und brach. Es war, als vervielfachte sich das Knirschen und Brechen bis in die Unendlichkeit der Wüste und des Meeres. Und dann kam eine entsetzliche Stille.

Der Mann brach neben der kleinen Palme zusammen. Zwei Tage später fanden ihn Kameltreiber – man erzählt, dass er gerettet wurde.

Von den Treibern hatte sich keiner um den kleinen, zerschmetterten Palmbaum gekümmert. Er war unter der Last des Steines fast begraben, sein Tod schien unausweichlich. Seine hellgrünen Fächerblätter waren abgebrochen, und in der heißen Glut der Sonne verdorrten sie schnell. Sein weiches Palmherz war gequetscht, und der große Stein lastete so schwer auf dem zierlichen Stamm, dass er bei jedem leisen Windhauch abzubrechen drohte.

Doch der Mann hatte die kleine Palme nicht töten können. Er konnte sie verletzen, aber nicht töten.

Als sich in dem jungen Baum das entsetzliche Geräusch der brechenden Zweige, das Zerfasern der jungen Triebe und der brennende Schmerz zusammenballten, als alles eine ungeheure, wolkenähnliche Masse von Schmerz und immer wieder Schmerz war, da regte sich gleichzeitig, daneben, ohne Verbindung zum Schmerz und allen zerstörenden Geräuschen, eine erste kleine Welle von Kraft. Und diese Welle vergrößerte sich, fiel in die Wellenbewegung des Schmerzes, wuchs, machte Pausen zwischen Schmerz und Wieder-Schmerz länger und länger, bis die Kraft größer wurde als der Schmerz.

Der Baum versuchte, den Stein abzuschütteln. Er bat den Wind, ihm zu helfen. Aber es gab keine Hilfe. Der Stein blieb in der Krone, dem Herzen der kleinen Palme, und rührte sich nicht.

„Gib es auf“, sagte sich die kleine Palme, „es ist zu schwer. Es ist dein Schicksal, so früh zu sterben. Füge dich! Lass dich selber los. Der Stein ist zu schwer.“

Aber da war eine andere Stimme. Die sagte: „Nein, nichts ist zu schwer. Du musst es nur versuchen, du musst es tun.“

„Wie soll ich es tun?“ fragte die kleine Palme, „der Wind kann mir nicht helfen. Ich stehe allein in meiner Schwachheit. Ich kann den Stein nicht abwerfen.“

„Du musst ihn nicht abwerfen“, sagte wieder die andere Stimme. „Du musst die Last des Steines annehmen. Dann wirst du erleben, wie deine Kräfte wachsen.“

Und der junge Baum nahm in all seiner Not seine Last an und verschwendete keine Kraft mehr an das Bemühen, den Stein abzuschütteln. Er nahm ihn in die Mitte seiner Krone. Er klammerte sich mit langen, kräftiger werdenden Wurzeln in den Boden, denn er brauchte mit seiner doppelten Last einen doppelten Halt.

Dann kam der Tag, an dem sich die Wurzeln der Palme so tief gesenkt hatten, dass sie auf eine Wasserader stießen. Befreit schoss eine Quelle nach oben, und sie hat diesen Platz hier zu einem Ort der Freude und des Wohlstandes gemacht.

Nun, als der Baum festen Halt im Grund hatte und dort dauernde Nahrung fand, begann er, nach oben zu wachsen. Er legte breite, kräftige Fächerzweige um den Stein herum. Man konnte manches Mal meinen, dass er den Stein beschütze.

Sein Stamm gewann mehr und mehr an Umfang, und mochten auch alle anderen Palmen am Strand höher und lieblicher sein, der Palmbaum, den die Leute bald die Steinpalme nannten, war unbestritten der mächtigste Baum. Seine Last hatte ihn aufgefordert, und er hatte den Kampf gegen seinen Kleinmut aufgenommen. Er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat eine Quelle freigelegt, die seither den Durst vieler löscht, und, was sicher das Wichtigste ist, der Baum hat seine Last angenommen und hoch hinausgetragen. Sie liegt auch heute noch auf seinem Herzen, aber sie ist in seinem Dasein an eine Stelle gerückt, die sie tragbar macht. Nur die äußere Last erscheint uns untragbar. Ist sie angenommen, wird sie Teil von uns selbst.“

Raman, der Erzähler, legte beide Hände an den Stamm der großen Palme. Das Feuer war fast niedergebrannt. Die Zuhörer verließen einer nach dem anderen den Platz. Nur einer blieb noch. Er war spät gekommen und hatte ein wenig abseits gesessen.

Er setzte sich nun zu Raman, und beide saßen lange ohne Worte.

„Ich bin der Mann, der den Stein auf die Palme gedrückt hat!, sagte der Mann. „Ich hatte es vergessen, doch deine Erzählung weckte alles wieder auf. Was soll ich tun? Ich fühle Schuld.“

„Dann trage diese Schuld wie der Baum den Stein“, antwortete Raman. „Nimm die Schuld an. Versuche, soviel du vermagst, davon in Liebe zu verwandeln. Vergiss dabei nicht, dass Liebe etwas ist, was man tun muss. Es nützt nichts, sie nur zu erkennen und um ihre Notwendigkeit zu wissen. Liebe ist Leben und wächst allein aus dem Tun.“

Die Männer saßen noch lange unter der Palme, und es war ein leichter Wind, der das Feuer wieder zum Brennen brachte.

Aus der Sahara – Quelle unbekannt

Die kleine Schraube

Sinngeschichten-Die kleine Schraube

Die kleine Schraube – Eine Geschichte von kleinen Ursachen und großen Wirkungen – oder auch: jeder ist auf seine Weise gut und wichtig!

Es gab einmal in einem riesigen Schiff eine ganz kleine Schraube, die mit vielen anderen ebenso kleinen Schrauben zwei große Stahlplatten miteinander verband. Diese kleine Schraube fing an, bei der Fahrt mitten im Indischen Ozean, etwas lockerer zu werden und drohte heraus zu fallen.

Da sagten die nächsten Schrauben zu ihr: “Wenn du heraus fällst, dann gehen wir auch. Und die Nägel unten am Schiffskörper sagten: „Uns wird es auch zu eng, wir lockern uns auch ein wenig.“ Als die großen eisernen Rippen das hörten, da riefen sie: „Um Gottes Willen bleibt; denn wenn ihr nicht mehr haltet, dann ist es um uns geschehen!“

Und das Gerücht von dem Vorhaben der kleinen Schraube verbreitete sich blitzschnell durch den ganzen Körper des Schiffes. Er ächzte und erbebte in allen Fugen. Da beschlossen sämtliche Rippen und Platten und Schrauben und auch die kleinsten Nägel, eine gemeinsame Botschaft an die kleine Schraube zu senden, sie möchte doch bleiben; denn sonst würde das ganze Schiff bersten und keiner von ihnen die Heimat erreichen.

Das schmeichelte dem Stolz der kleinen Schraube, dass ihr solch ungeheure Bedeutung beigemessen wurde, und sie ließ sagen, sie wolle sitzen und bleiben.

nach Rudyard Kipling

Der Adler, der nicht fliegen wollte

Der Adler, der nicht fliegen wollte – Eine Geschichte für die Freiheit – Flieg so hoch Du kannst!

Ein Mann ging in einen Wald, um nach einem Vogel zu suchen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern. Und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Vögel.
Nach fünf Jahren erhielt der Mann den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: »Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler.«
»Ja«, sagte der Mann, »das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel drei Meter breit sind.«
»Nein«, sagte der andere. »Er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte.«
»Nein, nein«, sagte der Mann, »er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen.«
Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: »Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: breite deine Schwingen aus und fliege!«
Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: »Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.« »Nein«, sagte der andere, »er ist ein Adler. Versuche es morgen noch einmal.«
Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: »Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!« Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hofe erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen.
Da sagte der Mann wieder: »Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.« – »Nein«, sagte der andere, »er ist ein Adler, und er hat noch immer das Herz eines Adlers. Lass‘ es uns noch ein einziges Mal versuchen; morgen werde ich ihn fliegen lassen.«
Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens. Er hob den Adler und sagte zu ihm: »Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!«
Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben – aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und kehrte nie wieder zurück. Er war ein Adler, obwohl er wie ein Huhn aufgezogen und gezähmt worden war!
Diese Geschichte stammt aus Afrika – sie endet mit dem Aufruf:
Völker Afrikas! Wir sind geschaffen nach dem Ebenbilde Gottes, aber Menschen haben uns gelehrt, wie Hühner zu denken, und noch denken wir, wir seien wirklich Hühner obwohl wir Adler sind. Breitet eure Schwingen aus und fliegt! Und seid niemals zufrieden mit den hingeworfenen Körnern.
James Aggrey
zit. nach: Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (Hrsg.):
Geschichten für Sinndeuter. Düsseldorf

Der Tempel der 1000 Spiegel

Der Tempel der 1000 Spiegel  – Eine Geschichte wie Du Dir die Welt wohlgesonnen machst.

Es gab in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.

Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne.

Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.

Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.

Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.

Und tausend Hunde wedelten mit dem Schwanz, sprangen fröhlich hin und her und forderten ihn zum Spielen auf.

Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind.
(aus Indien)

Sechs „Kreative Methoden für Deinen Jahresrückblick und -ausblick“

Jahresrückblick-&-ausblick

 

Das Jahr 2017 geht in wenigen Stunden zu Ende, das neue Jahr klopft schon leise an… Der Jahreswechsel ist immer ein guter Zeitpunkt einmal inne zu halten und auf das Zurückliegende zu blicken. Aber es ist auch ein guter Zeitpunkt sich dem Neuen bewusst zu zuwenden, die eigenen Wünsche und Träume einmal genauer anzuschauen, Pläne zu schmieden und Ideen für ein Leben in Fülle zu entwickeln.

Für Deinen Rückblick und Ausblick möchte ich Dir hier einige kreative und intuitive Methoden vorstellen – vielleicht magst Du die ein oder andere ja einmal für Dich ausprobieren.

Nimm Dir dazu ein wenig Zeit an einem gemütlichen Ort nur für Dich – stelle alle Ablenkungen mal ab und sei nur für Dich selbst erreichbar. Vielleicht magst Du Dir einen duftenden Tee zubereiten, eine Kerze anzünden, leise Musik auflegen – gerade so, wie es sich für Dich anheimelnd und entspannend anfühlt.

Mein erster Vorschlag für einen Rückblick ist

„Die Essenz“ – eine Methode nach dem lateralen Denken von de Bono

Schreibe dazu spontan 8 oder 16 Begriffe / Assoziationen / Gefühle auf, die Dir zu Deinem Jahr 2017 einfallen. Anschließend verbindest Du jeweils zwei Begriffe und schaust, welche neue Assoziation entsteht. Danach verbindest Du wieder jeweils zwei Begriffe und so weiter, bis nur noch ein Begriff übrig bleibt. Dieser ist für jetzt und heute Deine gedankliche Essenz zum Jahr 2017.

Das Ergebnis verwundert Dich vielleicht, weil es eine unerwartete Wendung gebracht hat? Freu Dich am besten darüber, wie Kopf und Bauch „miteinander arbeiten“.

Das solltest Du beachten:

Nicht lange überlegen, sondern den Begriff nehmen, der als erstes auftaucht. Ihn schickt Dein superschnelles und superkluges Unterbewusstsein. Wenn Du nachdenkst hat sich wieder mal Dein innerer Zensor mit einer Bewertung oder einem „Aber“ eingeschlichen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Begriffe mehrfach auftragen. Auch hier gilt: Zensiere Dich nicht. An einem anderen Tag kann das Ergebnis ganz anders aussehen.

Eine Vorlage für diese Übung kannst Du Dir hier herunterladen: Essenz-2017

Mein zweiter Vorschlag für Deinen Rückblick ist

„Die Timeline“

Zeichne Dir dazu auf ein DIN A4 oder DIN A3 Blatt einen Zeitstrahl auf dem Du jeden Monat einträgst. Nun kannst Du zu jedem Monat einmal die Highlights (wenn Du magst auch das, was nicht so lief) überlegen und eintragen. Schau einmal, was Dir spontan noch einfällt – oder nimm Deinen Kalender zu Hilfe. Achte darauf, dass Du nicht in dem hängen bleibst, was weniger gut war, sondern auch das bemerkst, was gelungen ist – und sei es noch so klein.

 

Mein dritter Vorschlag für Deinen Rückblick ist

„Die Schlagzeile“

Du kannst ihn auch mit der „Timeline“ verbinden, wenn Du magst. Stell Dir vor, Du stehst mit einer Schlagzeile in der Zeitung. Entweder als Jahresbericht – oder auch monatlich. Wie würde DIE Schlagzeile über Dich 2017 lauten? Erlaube Dir kreativ, humorvoll und gerne auch ein wenig „größenwahnsinnig“ zu sein. Du kannst diesen Vorschlag natürlich auch für Deinen Ausblick benutzen. Was wird Ende 2018 über Dich zu lesen sein :).

 

 

 

Mein vierter Vorschlag verbindet den Rückblick 2017 schon mit dem Ausblick 2018 und ist eine

Fantasiereise 2017-2018

Mache es Dir dazu besonders bequem, stelle Deine Füße gut auf dem Boden auf, spüre einmal in Deinen Körper hinein und lasse Deinen Atem ruhig fließen…

Am schönsten ist es natürlich, wenn Du eine Fantasiereise vorgelesen bekommst. Vielleicht bittest Du eine gute Freundin darum und danach liest Du ihr die Reise vor.

Die Fantasiereise kannst Du hier herunterladen: Fantasiereise-Jahresrückblick_-ausblick

 

Mein fünfter Vorschlag für Deinen Jahresausblick ist eine

Wunschcollage

Du brauchst dazu einen Stapel alter Zeitschriften, Klebestift, Schere, einen DIN A3 Bogen Papier. Lasse Dich nun von dem leiten, was Dich spontan beim Durchblättern der Zeitschriften anspricht und schneide es zunächst aus. Vielleicht locken Dich manche Überschriften oder Sätze, Bilder, Farben… was auch immer.

Schneide einfach aus – und lasse Dich nicht zum Lesen von ganzen Artikeln verführen. Ich mache solche Collagen übrigens am liebsten, wenn ich leise Musik im Hintergrund höre und ein Gläschen Rosé neben mir stehen habe – Wichtig ist, dass Du Dich wohl und entspannt fühlst, dann leitet Dich Deine Intuition beim „Suchen und Finden“.

Wenn Du alles ausgeschnitten hast, dann gestalte Dir Deine Wunschcollage 2018. Du kannst Sie auch um eigene Sätze, Zitate etc. ergänzen, weiter verzieren… ganz so, wie es Dir gefällt. Und: Hänge sie auf – an einen guten Ort, an dem Du Deine Wünsche dass ganze Jahr über gut im Blick hast.

Auf „Neudeutsch“ heißt das nun Visionboard – aber Wunschcollage gefällt mir viel besser. Und Dir?

 

Mein sechster Vorschlag für Deinen Jahresausblick heißt

„Pleiten, Pech und Pannen“

Du kennst ihn vielleicht auch schon unter dem Begriff „Kopfstandtechnik“. Wenn Du beispielsweise ein anstrengendes Jahr 2017 hattest, dann kannst Du nun fleißig sammeln, was Du alles dafür tun kannst, damit 2018 noch anstrengender wird. Tue Dir keinen Zwang an… und  bereite Dir mit Deiner Sammlung ein richtig grässliches Jahr.

Wenn Du dich jetzt fragst, was das soll? Nun, wenn Du herausgefunden hast, was Du alles tun musst, damit es noch schlimmer wird, weißt Du im Grunde genau, was Du tun müsstest, damit es besser wird. Die Lösung ist darin sozusagen schon versteckt. Das Tolle an „Pleiten, Pech und Pannen“ ist jedoch, dass wir dabei oft freier und kreativer denken, uns selbst auch humorvoll ein wenig auf die Schippe nehmen und uns nicht in einem „Aber, aber“ sofort ausbremsen.

Und nun wünsche ich Dir viel Freude mit den „Kreativen Methoden für Deinen Jahresrückblick und –ausblick“.

„Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben…“ Hermann Hesse

Alle Methoden kannst du natürlich auch zu anderen Anlässen, zu denen Du etwas neu durchdenken möchtest nutzen. Wenn Du selbst Kurse leitest, kannst Du damit auch Deine Austauschrunden bereichern.

Ich wünsche Dir und mir und uns allen ein Wunder-volles Jahr 2018

Herzlich Trudy Henn

Die beiden mangelhaften Backsteine

DIE BEIDEN MANGELHAFTEN BACKSTEINE – Gib dem Perfektionisten in dir heute mal was zum Denken;-)

In seinem Kloster hatte ein Mönch eine Mauer zu bauen.
Der Mönch gab sich große Mühe, alle 1000 Steine, die dafür nötig waren, gerade und gleichmäßig aufeinander zu setzen.

Als die Mauer fertig war, trat er voller Stolz einen Schritt zurück, um sein Werk zu begutachten.
Da sah er, dass zwei Backsteine schief in der Mauer saßen. Der Mönch war zutiefst entsetzt. Großer Ärger erfasste ihn und ließ ihn von da an nicht mehr los.

Eines Tages besuchte ein Gast das Kloster und blickte freudig auf das Mauerwerk. „Welch wunderschöne Mauer!“, bemerkte er.

Der Mönch erwiderte: „Lieber Gast, Ihr seht nicht richtig. Fallen euch denn nicht die beiden schiefen Backsteine auf? Diese Mauer ist völlig misslungen.“

Der Gast antwortete: „Ja, ich sehe die beiden schiefen Backsteine, aber ich sehe auch 998 wunderbare und prächtig eingesetzte Steine.“

Die Antwort des Gastes überwältigte den Mönch.

Zum ersten Mal konnte er neben den beiden schiefen Backsteinen auch die vielen anderen Steine sehen. Sie waren perfekt eingesetzt.

Bis dahin hatte sich der Mönch nur auf seinen Fehler konzentriert und war allem anderen gegenüber blind gewesen.

Unter diesem neuen Blickwinkel veränderte sich die Einstellung des Mönches zu seiner Mauer, zu sich selbst und vielen weiteren Aspekten des Lebens.

eine Shaolin Geschichte